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22.07.2011

Konjunkturumfrage der IV NÖ über das zweite Quartal 2011: Niederösterreichische Industrie bleibt vorsichtig

Die jüngste von der Industriellenvereinigung Niederösterreich durchgeführte Konjunkturumfrage – an der insgesamt 31 Unternehmen mit 28.594 Mitarbeitern teilnahmen – zeichnet ein ambivalentes Bild: Mit dem derzeitigen Auftragsbestand, den Auslandsaufträgen und der Ertragssituation ist das Gros der Unternehmen zufrieden, die Vorlaufindikatoren zeichnen jedoch ein deutlich vorsichtigeres Bild.

Die Erholungsphase der niederösterreichischen Wirtschaft hat im zweiten Quartal voraussichtlich ihren Höhepunkt erreicht - bis zum Ende des Quartals konnte der Aufschwung noch einmal an Breite zulegen. Ganz deutlich ist das an den Indikatoren „Auftragsstand" und „Industrieexporte" zu sehen: Beim Auftragsstand stieg der Saldo der Unternehmen, die ihre aktuelle Lage mit „Steigend/ Gut" bewerten, im Vergleich zum Vorquartal von 62 Prozent auf 93 Prozent. Auch der Saldo der Auslandsaufträge konnte noch einmal deutlich zulegen: Hier verbesserte sich der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen von +76 auf +89 Prozent. Nur 3% der Unternehmen - gewichtet nach Anzahl der Mitarbeiter - gaben an, Ihre Exportaufträge hätten sich in den letzten drei Monaten rückläufig entwickelt. Ein deutliches Zeichen dafür, dass sich im Sog der positiven Entwicklung der deutschen Industrieexporte auch niederösterreichische Unternehmen Sporen verdienen konnten. Gerade die Exporte sind damit Konjunktur- und Wachstumsmotor zugleich.

 

Verhalten positive Erwartungen für die kommenden 6 Monate

Wie bereits in der letzten Umfrage bemerkbar, darf die aktuell positive Einschätzung der Unternehmen nicht ohne Vorbehalte in die Zukunft projiziert werden: zwar schätzen nach wie vor rund 67 Prozent der Unternehmen, dass auch in 6 Monaten gute Geschäfte zu machen sind - nur 8 Prozent der Unternehmen planen aber, auf Basis dieser Einschätzung auch ihre Kapazitäten auszuweiten. Ganz ähnlich sehen die Erwartungen bezüglich der Ertragslage aus: per Saldo gehen nur 3 Prozent der Unternehmen von steigenden Erträgen aus - während 97 Prozent aller Befragten mit einer breitflächigen Stagnation der Ertragssituation rechnen.

 

Insbesondere der Preisschub bei den Rohstoffen - der sich im Winter weiter verschärfen könnte - lässt den Unternehmen hier nur wenig Spielraum. Höheren Kosten, die  nur nach und nach an die Kunden weitergegeben werden können. Besonders erfreulich ist die Entwicklung des Indikators „Mitarbeiterstand in 3 Monaten": War hier im Zuge der letzten Umfrage noch ein negativer Saldo von 11 Prozent zu verzeichnen - stehen die Unternehmen dem Thema „Neueinstellungen" heute deutlich positiver gegenüber: Per Saldo planen sogar 13 Prozent der Unternehmen, ihren Mitarbeiterstand in den kommenden 3 Monaten zu erhöhen. Das sollte einen positiven Impuls für den niederösterreichischen Arbeitsmarkt mit sich bringen. Bereits jetzt ist jedoch ein deutlicher Mangel an qualifiziertem Fachpersonal spürbar, insbesondere in technischen Fachbereichen.

 

Unsicherheitsfaktoren erschweren die Planbarkeit

 

Insbesondere eine Reihe globaler Unsicherheitsfaktoren bestimmen auch die Zukunftserwartungen der niederösterreichischen Unternehmen, bundesweit wird bereits mit einer Abflachung der Konjunkturentwicklung gerechnet: „Die bevorstehende Abschwächung ist einerseits Ergebnis des wachsenden konjunkturellen Gegenwindes, andererseits Ausdruck der erwartenden Normalisierung des Erholungstempos", so Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung.

 

Global gesehen bestehen für die Industrie dabei insbesondere drei Risikofaktoren:

  • Innerhalb der Europäischen Union bereitet insbesondere Griechenland den anderen Mitgliedsstaaten Sorge: ein ineffizienter Verwaltungsapparat, die fehlende industriepolitische Strategie, sowie eine massive Verschuldung der öffentlichen Hand haben zu einer Situation geführt, die die soziale und wirtschaftliche Stabilität des Landes massiv gefährdet.
  • Die unsichere Situation in weiten Teilen der arabischen Welt, die in engem Zusammenhang mit den Entwicklungen an den Rohstoffmärkten steht. Zusammen mit der mittelfristigen Rohstoffknappheit bei Erdöl, Erdgas aber Kohle steht gerade die Industrie vor der Herausforderung, trotz unsicherer Beschaffungsmärkte Kontinuität zu wahren.
  • Darüber hinaus mach sich zunehmend die fehlende Wachstumsdynamik der USA bemerkbar, die auf einer hohen Verschuldung der öffentlichen Hand, insbesondere aber auch auf einer historischen unerreichten Verschuldung des privaten Sektors beruht. Mit einer breiten Erholung des amerikanischen Konsums ist daher mittelfristig nicht zu rechnen.

Bundespolitischer Stillstand als Gefahr

 

Als wichtigste Maßnahme, um die Breite des Aufschwungs auf hohem Niveau zu sichern, fordert die IV Niederösterreich die rasche Umsetzung dringend erforderlicher Reform-Maßnahmen.

„Gerade in dieser sensiblen Phase des möglichen Wiederaufschwungs braucht die Industrie die besten Rahmenbedingungen um Wettbewerbsfähigkeit und tausende Jobs aufrecht zu erhalten.", so Michaela Roither. "Immer neue Forderungen nach zusätzlichen Belastungen für die Unternehmen schaden dem Standort gerade jetzt mehr denn je".


[ IV NÖ ]
Fotos
Konjunkturumfrage 2. Quartal 2011
Konjunkturumfrage 2. Quartal 2011


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