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[ 27.04.2010 ]
IV NÖ-Thema: Flexibilisierung der ArbeitszeitMit der Diskussion über die Arbeitszeitflexibilisierung stand beim IV-Mitgliedertreffen bei der Huyck. Wangner GmbH ein Thema im Mittelpunkt, das für die überwiegende Mehrheit der heimischen Industriebetriebe von zukunftsweisender Bedeutung ist.Huyck-Prokurist Dr. Hippolit Gstrein und Finanzdirektor Mag. Kurt Medlitsch stellten zunächst das Gloggnitzer Paradeunternehmen vor und referierten über Aktivitäten, die der Betrieb gegen die Wirtschaftskrise gesetzt hat. Durch ein Bündel an Initiativen ist es gelungen, sämtliche Arbeitsplätze zu halten. „Das Unternehmen kann daher auf geschultes Personal zurückgreifen, um zu Beginn des Aufschwungs rasch reagieren zu können", betonte Medlitsch. Da die Auslastungsschwankungen in der Branche relative lange Zyklen hätten, wäre Arbeitszeitflexibilisierung eine wichtige Maßnahme für das Unternehmen. Vor allem eine Verlängerung der Durchrechnungszeiträume würde eine Verbesserung darstellen.
Umverteilung der Normalarbeitszeit Über die schwierigen Verhandlungen zwischen den KV-Partnern berichtete WKO-Experte Mag. Andreas Mörk. „Immer kürzer werdende Vorlaufzeiten bei der Auftragvergabe setzen die Firmen unter Druck", so Mörk, der in der Arbeitszeitflexibilisierung auch eine geeignete Maßnahme zur Sicherung von Arbeitsplätzen sieht. Dabei fordern die Arbeitgeber keine Verlängerung der Arbeitszeit, sondern eine Umverteilung der Normalarbeitszeit. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, sei die Verlängerung des Durchrechnungszeitraumes ein zentrales Anliegen. Sehr kritisch sah der WKO-Experte, dass die Arbeitskosten in Österreich im vergangenen Jahr erneut angestiegen seien. Im Herbst sollen die Gespräche zum Thema Flexibilisierung wieder aufgenommen werden. Dass es in dieser Frage auch Einigungen gibt, zeigt die Stein- und Keramikindustrie, wo ein Arbeitszeitpaket geschnürt werden konnte, von dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer profitieren. Nach dem Blick auf die harte Realität der österreichischen Verhandlungen stand die wissenschaftliche Sichtweise auf dem Programm.
„Wir arbeiten immer kürzer" Prof. Dr. Bernd Marin unterstrich die Bedeutung der Arbeitszeitflexibilisierung: „Neben zyklischen Auslastungsschwankungen müssen die Unternehmen mit vielen Faktoren zu recht kommen, die für Instabilität sorgen." Schwankende Währungskurse oder Rohstoffpreise führte er als Beispiel an, weshalb höhere arbeitsrechtliche Gestaltungsspielräume dringend nötig wären. „Wir müssen nicht länger, aber dafür produktiver und flexibler arbeiten. Längere Durchrechnungszeiträume müssen selbstverständlich sein", so Marin, der sich für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit aussprach. Während das Arbeitsleben für die Menschen in Österreich immer kürzer werde, nehmen die Phasen der „bezahlten Nichtarbeit", vor allem die Dauer des Ruhestands, zu. Grundsätzlich sprach sich der Experte für ein „individuelles Wahlarbeitssystem" aus, das längere aber auch kürzere Arbeitszeiten - bei vollem Lohnverzicht - ermöglichen könnte. Zudem plädierte er dafür, mehr Zeit- oder Geldanreize zu schaffen, um Erwerbstätigkeit zu fördern. Dass Arbeitszeitverkürzung nicht automatisch Beschäftigung sichert, belegte Mörk anhand konkreter Beispiele aus der Industrie in den vergangenen 20 Jahren.
Größter Arbeitgeber in Gloggnitz Gastgeber Dr. Hippolit Gstrein führte abschließend durch den Gloggnitzer Betrieb: Das 1852 gegründete Unternehmen, das seit 2005 an der New York Stock Exchange nyse firmiert, erwirtschaftet am niederösterreichischen Standort mit knapp 500 Mitarbeitern 63 Millionen Euro Umsatz im Jahr. An den Ufern der Schwarza, wo Huyck auch einen Teil des benötigten Stroms selbst erzeugt, werden maßgeschneiderte Produkte für die Papier- und Zellstoff industrie, Textilindustrie sowie weitere Branchen gefertigt. Huyck.Wangner zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Bespannungen für Papiermaschinen und Industrietextilien. Als wichtigen Erfolgsfaktor für die qualitativ hochwertigen und innovativen Produkte bezeichnete Gstrein Forschung & Entwicklung. Am Standort Gloggnitz ist daher auch das Konzernzentrum für Forschung beheimatet.
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