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[ 24.07.2009 ]

NÖ-Industriekonjunktur: Stabilisierung auf niedrigem Niveau

IV NÖ Präsident Marihart: Stabilisierung in Sicht, Konjunktur-Indikatoren weiterhin im negativen Bereich, noch kein Aufschwung – Kräfte bündeln, um Krise zu überstehen

„Die blau-gelbe Industrie steckt weiterhin inmitten ihrer größten Herausforderung der letzten Jahrzehnte. Nach wie vor ist die überwiegende Mehrheit der Betriebe von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise massiv betroffen. Ähnlich dem Bundestrend ist eine Stabilisierung der Industriekonjunktur auf niedrigem Niveau auch in Niederösterreich absehbar. Dennoch ist ein echter Aufschwung noch nicht in Sicht: Sämtliche Indikatoren sind immer noch im tief negativen Bereich", fasst der Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich, DI Johann Marihart, die aktuellen Rückmeldungen aus der niederösterreichischen Industrie im Rahmen der Konjunkturumfrage, die von der Industriellenvereinigung vierteljährlich durchgeführt wird, zusammen. Die gedämpfte Stimmung bei den Unternehmen zeigt die Entwicklung des NÖ-Konjunkturbarometers, das sich im Vergleich zum ersten Quartal noch einmal verschlechtert hat und nun bei -36,5 Prozent liegt. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag dieser Wert, der den Mittelwert aus aktueller Geschäftslage und erwarteter Geschäftslage in sechs Monaten darstellt, bei über 53 Prozent.

 

Indikatoren im roten Bereich

Ähnlich wie im Vorquartal bewertet jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) die aktuelle Geschäftslage als schlecht, 42 Prozent als durchschnittlich und nur vier Prozent als gut. Somit ist der Saldowert aus „gut und schlecht" seit Jahresbeginn erneut geschrumpft. Sorge bereitet den Unternehmen die aktuelle Auftragslage, die sich seit dem Frühjahr weiter verschlechtert hat. Der Saldo fiel in diesem Bereich der Konjunkturumfrage von -32 Prozent im ersten Quartal auf -50 im zweiten. „Niederösterreichs Industrie ist sehr exportorientiert, daher ist die Entwicklung auf den Weltmärkten ein wesentlicher Zukunftsfaktor. Das Anspringen der Konsum- und insbesondere Investitionsnachfrage in Ländern wie China, USA, Deutschland und Osteuropa wäre Voraussetzung für einen nachhaltigen Aufschwung in unserem Bundesland", sagt Marihart. Trotz zuletzt leicht positiver Wirtschaftssignale aus China sei die Hoffnung auf einen Aufschwung noch mit großen Vorbehalten zu sehen, warnt der IV NÖ-Präsident.

 

Schwieriges zweites Halbjahr 09

Für die kommenden sechs Monate rechnen Niederösterreichs Industriebetriebe mit einer schwierigen Ausgangslage, wenngleich das Bild der Erwartungshaltung für das dritte und vierte Quartal 2009 Stabilisierungstendenzen aufweist. Weit mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen gehen nicht davon aus, dass sich die Situation bis Jahresende verschlechtern wird. So meinen 61 Prozent, dass die Geschäftslage in den kommenden beiden Quartalen etwa gleich bleibt, etwa 14 Prozent glauben an eine Verbesserung und jeder Vierte befürchtet eine Verschlechterung.

 

Herausforderung Arbeitsmarkt

„Die aktuellen Konjunkturdaten weisen eine Stabilisierung der beispiellosen konjunkturellen Situation aus, die wir in den vergangenen 12 Monaten erlebt haben. Dennoch wird der Druck auf den Arbeitsmarkt noch steigen, der auf die negative Entwicklung der Industrieproduktion zeitversetzt reagiert", betont Marihart. Auch wenn die heimische Industrie sich mit allen Mitteln bemühe, ihre Belegschaft zu halten und Kündigungen zu vermeiden, müssten die Betriebe auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld reagieren. So planen 49 Prozent mit rückläufigen Mitarbeiterzahlen, die Hälfte der befragten Unternehmen geht davon aus, dass sie auch in drei Monaten noch denselben Mitarbeiterstab haben werden wie heute. Mit einer Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent liegt Niederösterreich im Bundesländervergleich derzeit auf Rang sechs.

 

Stabilisierungsphase nutzen, Betriebe stärken

„Niederösterreichs Industrie hat in den vergangenen Jahren einen entscheidenden Beitrag für die positive Entwicklung des Bundeslandes geleistet. Umso wichtiger ist es, dass in dieser ökonomisch heiklen Stabilisierungsphase alle Kräfte - von der Politik bis zu den Sozialpartnern, von den Unternehmern bis zu den Arbeitnehmern - gebündelt werden, um die blau-gelben Betriebe bestmöglich zu unterstützen. Nur so kommen wir gemeinsam aus der Krise und können den nächsten Aufschwung mitmachen", so der IV NÖ-Präsident. Wichtig seien dafür effizient wirkende Haftungsinstrumente zur Aufrechterhaltung der Liquidität bei Unternehmen und die Gewährleistung erhöhter Flexibilität, um die derzeit enormen Marktschwankungen besser ausgleichen zu können. Insgesamt müssten die Betriebe in ihren Bemühungen stärker unterstützt werden, Arbeitsplätze zu sichern und zu erhalten. „Im Sinne der Erhaltung der Arbeitsplätze kann man sich nur eine möglichst pragmatische und lösungsorientierte Haltung der betrieblichen und überbetrieblichen Sozialpartner wünschen, damit gravierende Probleme und Herausforderungen möglichst rasch gelöst werden können", betont Marihart.

 

Zur Befragungsmethode

An der aktuellen Konjunkturumfrage der IV NÖ beteiligten sich 40 Unternehmen der niederösterreichischen Industrie mit knapp 17.000 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt - ähnlich wie bei dem bekannten deutschen IFO-Konjunkturklimaindex - folgende Methode zur Anwendung: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo" aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

  

 

 








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