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24.10.2008

NÖ Industrie erwartet ein hartes Jahr

Die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV NÖ) zum 3. Quartal spiegeln einen deutlichen Abwärtstrend wider.

Wenig überraschend spiegeln die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV NÖ) zum 3. Quartal einen deutlichen Abwärtstrend wider, den es in diesem Ausmaß schon sehr lange nicht gegeben hat. „Wir steuern einem zyklischen Konjunkturtief entgegen, das durch die globale Finanzkrise erheblich verstärkt wird. Auch Niederösterreich wird sich den Entwicklungen der Weltwirtschaft nicht entziehen können. Ein Abschwung wurde zwar erwartet, seine Intensität ist allerdings überraschend. Die gesamte Tragweite des Konjunktureinbruchs und dessen Folgen werden wir in der Realwirtschaft im kommenden Jahr zu spüren bekommen", sagt IV NÖ Präsident Johann Marihart. Niederösterreichs Industriebetriebe erwarten daher ein hartes Jahr 2009.

 

„Krise" nicht überstrapazieren

Dennoch mahnt der Präsident angesichts der wirtschaftlichen Lage nicht in Panik zu verfallen, sondern mit kühlem Kopf zu agieren. Die Zahlen sprechen zwar eine deutliche Sprache, trotzdem sollte man das Wort „Krise" nicht überstrapazieren. „Gerade Niederösterreich und die blau-gelbe Industrie haben in den vergangenen Jahren eine unglaublich positive Entwicklung genommen. Dank der EU-Erweiterungen hatten wir Wachstumszahlen, die stets über dem Bundesdurchschnitt lagen. Das wird auch 2008 der Fall sein", so Marihart. Auf die wirtschaftlich „fetten Jahren" folgt nun ein Konjunkturtal, das es so rasch wie möglich zu durchschreiten gelte. Dennoch erwartet der Präsident ein absehbares Ende der konjunkturellen Schwächephase. „Dank der hohen Wachstumsraten und des noch immer vorhandenen wirtschaftlichen Nach- und Aufholbedarfs unserer Nachbarn in Osteuropa, könnte der Konjunktur-Motor auf den Wachstumsmärkten in Niederösterreichs Nachbarschaft rascher anspringen, wovon unser Bundesland profitieren würde", sagt der Präsident.

 

Ergebnisse im Detail

Die Industriebetriebe stellen sich auf ein schwieriges Jahr 2009 ein: Während nur noch 14 Prozent der befragten Unternehmen mit einer guten Geschäftslage im nächsten halben Jahr rechnen, gehen 43 Prozent der Betriebe von einer Verschlechterung aus. Zum Vergleich: Im Vorquartal rechneten noch 37 Prozent mit einer steigend guten Geschäftslage, nur 11 Prozent mit einer fallend schlechten. Der Geschäftsklima-Index fiel um mehr als 44 Prozentpunkte auf 8,8 Prozent. Ebenfalls skeptisch sehen Niederösterreichs Industriebetriebe die Entwicklung der Ertragssituation in den nächsten sechs Monaten: Nur noch zehn Prozent gehen von einer Steigerung aus, 33 Prozent stellen sich auf eine Verschlechterung ein. Nach Einschätzung der befragten Unternehmen hat diese Situation auch Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation im nächsten Quartal: 21 Prozent der Befragten prognostizieren eine Reduktion des Personalstandes.    

 

Konjunktur-Paket ausweiten

Trotz der pessimistischen Erwartungen betont Präsident Marihart: „Niederösterreichs Industriebetriebe haben das Konjunktur-Hoch der vergangenen Jahre sehr gut genutzt. Sie haben mit ihren innovativen Produkten neue Märkte erschlossen, umfangreich in Forschung, Entwicklung und neue Technologien sowie Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investiert. Das macht sich in schlechten Zeiten bezahlt." Unterstützung erwartet sich die Industrie von zielgerichteten Konjunktur-Maßnahmen, die auch langfristig strukturell positive Wirkungen für den Standort und im Gefolge den Arbeitsmarkt erzielen. Vor diesem Hintergrund begrüßt Marihart den raschen Beschluss der Bundesregierung zu einem Konjunkturpaket. Dieses beinhalte auch ein wichtiges Signal für Niederösterreich: Mit der Güterzugumfahrung St. Pölten, den Bahnhof Melk und das letzte Teilstück der Nordautobahn würden wichtige Infrastruktur-Investitionen im Umfang von 1,2 Milliarden Euro getätigt. Dennoch erwartet sich der Präsident weitere Schritte, um die Konjunktur zu stützen: „Wir benötigen Maßnahmen zur Stärkung auf  Eigen- und Fremdkapitalseite. Um die Kapitalbasis der Unternehmen zu stärken und den bevorstehenden Einbruch bei der Investitionstätigkeit abzufangen, müssen Gesellschaftssteuer sowie Kredit- und Darlehensgebühr abgeschafft werden", so Marihart. Zudem würden der Ausbau der Forschungsfreibeträge und die Anhebung der Forschungsprämie die Wettbewerbsfähigkeit der blau-gelben Unternehmen fördern. Denn: „Die Investitionen in Forschung und Entwicklung von heute bedeuten Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze von morgen."

 

 

Zur Befragungsmethode

An der aktuellen Konjunkturumfrage der IV NÖ beteiligten sich 41 Unternehmen der niederösterreichischen Industrie mit mehr als 17.600 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt - ähnlich wie bei dem bekannten deutschen IFO-Konjunkturklimaindex - folgende Methode zur Anwendung: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo" aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

 

 

 

 


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