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11.08.2008

NÖ-Industrie: Standort für konjunkturell schwierige Zeiten sichern

Dynamik der Industriekonjunktur schwächt ab – NÖ Betriebe mit gedämpftem Optimismus in konjunkturell schwierigen Zeiten – Industrie weiterhin Motor für Beschäftigung und Wohlstand

„Die internationalen Entwicklungen wie steigende Energie- und Rohstoffpreise, die Euro-Dollar-Parität, wachsende Transportkosten sowie rezessive Tendenzen in den USA und einigen europäischen Ländern machen auch vor Niederösterreichs erfolgreicher Industrie nicht halt. Angesichts der aktuellen Herausforderungen blicken die blau-gelben Industriebetriebe trotz hervorragenden Leistungen mit gedämpftem Optimismus und Vorsicht in die Zukunft", resümiert die Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung (IV NÖ) Mag. Michaela Roither die IV NÖ Konjunkturumfrage zum zweiten Quartal 2008. „Trotz aktuell positiver Rückmeldungen der niederösterreichischen Unternehmen müssen wir davon ausgehen, dass sich die Dynamik der Industriekonjunktur in den kommenden Monaten abschwächen wird", so Roither, die auf weitere nationale und internationale Konjunkturprognosen verweist, die von einer deutlichen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums ausgehen, wovon auch eine „an sich starke und gesunde  Wirtschaftsregion wie Niederösterreich" betroffen sei.

 

Positive Geschäftslage

Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen macht sich die vorausschauende Politik der einzelnen Industriebetriebe in Österreichs größtem Bundesland bezahlt. Trotz rauen Gegenwindes - verursacht durch weltwirtschaftliche Entwicklungen - bleibt die Einschätzung der Unternehmer der aktuellen Geschäftslage noch auf  konstant hohem Niveau. So berichten die blau-gelben Betriebe mehrheitlich von einer zufriedenstellenden aktuellen Geschäftslage, der Saldowert konnte im Jahresvergleich sogar um zwei Prozentpunkte  zulegen. Von einer aktuell guten Situation für den Betrieb sprechen aktuell 84 Prozent der befragten Unternehmen, 13 Prozent bezeichnen diese als durchschnittlich, 3 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Auch wenn die Auftragsbücher noch gut gefüllt sind, werden die Auftragsbestände ein wenig schlechter als im Vorjahr bewertet. Für das zweite Quartal des Jahres beurteilten 73 Prozent der Unternehmen den Bestand mit gut, 24 Prozent mit durchschnittlich und 3 Prozent orten in diesem Bereich eine Verschlechterung.     

 

Industrie weiterhin der Jobmotor

Ein wenig Spielraum erhoffen sich die Unternehmen bei der Entwicklung der Verkaufspreise in den nächsten drei Monaten. Immerhin 18 Prozent gehen von einer guten und gerechten Verkaufspreispolitik aus, dank der die steigenden Belastungen bei den Produktionskosten zumindest teilweise weitergegeben werden können. Zehn Prozent sehen keine Möglichkeiten, die Preiserhöhungen an die Kunden weiterzuleiten. Die Schwierigkeiten, den Kostendruck abzuwenden, dürften durch das anhaltend hohe Niveau des Wechselkurses der europäischen Gemeinschaftswährung in Verbindung mit einer nachlassenden Mengenkonjunktur verursacht werden. Dennoch wird die Industrie als größter Arbeitgeber des Bundeslandes auch im kommenden Quartal als Jobmotor fungieren. Beachtliche 38 Prozent der befragten Unternehmen planen derzeit, weitere Mitarbeiter aufzunehmen, bei weiteren 58 Prozent soll der Beschäftigtenstand unverändert bleiben. „Obwohl wirtschaftlich schwierige Zeiten und damit große Herausforderungen vor uns stehen, wird der positive Beschäftigungstrend dennoch bis in die zweite Jahreshälfte 2008 hinein anhalten. Umso bitterer ist es, dass viele offenen Stellen aufgrund des eklatanten Fachkräftemangels nur schwer besetzt werden können", betont Roither, die auf die großen Probleme der Unternehmen bei der Suche nach qualifizierten Industriearbeitskräften verweist. „Das zeigt deutlich, dass dem Land aufgrund des Fachkräftemangels der vergangenen Jahre in beachtlichem Umfang Wachstum und Einkommen entgangen ist."

 

Standort sichern

Vorsichtig optimistisch blicken die Unternehmen in das nächste halbe Jahr: Während 36 Prozent der befragten Unternehmen sich eine Verbesserung der Ertragssituation erwarten und weitere 50 Prozent von einer gleichbleibenden Ertragslage ausgehen, befürchten 14 Prozent eine Verschlechterung bis zum Jahreswechsel. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als im Jahresvergleich. „Angesichts der derzeitigen kritischen Tendenzen müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden, damit die Unternehmen konjunkturell schwierige Zeiten besser durchtauchen können, um weiterhin Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand in Mitteleuropa zu sichern", stellt Roither fest. Auch wenn derzeit  bundesweit Wahlkampf herrsche, dürfe das Wohlergehen des Wirtschaftsstandorts zu keiner Zeit mit kontraproduktiven Versprechen bedroht werden. Im Hinblick auf die kommenden Herausforderungen müsse die nächste Bundesregierung eine „hoch-professionelle Wirtschafts- und Standortpolitik fahren". Dabei müssten  weiterhin akkordierte und zielgerichtete Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel im Fokus stehen. Entscheidende Schritte seien zudem ein wettbewerbsfähiges Steuersystem sowie eine industrieverträgliche Umweltpolitik, so Roither abschließend.

 

Zur Befragungsmethode

An der aktuellen Konjunkturumfrage der IV NÖ beteiligten sich 34 Unternehmen der niederösterreichischen Industrie mit mehr als 18.568 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt - ähnlich wie bei dem bekannten deutschen IFO-Konjunkturklimaindex - folgende Methode zur Anwendung: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo" aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.


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